Von Ostern geht unsere größte Hoffnung aus

04.04.2026

Am 21. April 2017 ist eine kleine Broschüre erschienen: „Die Buntglasfenster in der Auferstehungskirche” in Siegburg. Damals war es genau 60 Jahre her, dass das Gotteshaus an der Georgstraße eingeweiht wurde: am Ostersonntag des Jahres 1957. Die angesprochene Broschüre hat die Evangelische Kirchengemeinde Siegburg herausgegeben. In ihr ist über Ostern zu lesen: 

„Gott […] greift ein in die Geschichte. Die Auferstehung ist die Mitte der Zeit. Sie verändert die Welt […]. Der Tod […] hat nur noch eine relative Macht. Seit der Auferstehung ist alles anders – jedenfalls für die, die glauben.“

Wo kein Tod mehr ist, ist Leben. Wer an die Erlösung durch das Osterereignis glaubt, weiß, dass dann wirklich „alles anders“ ist – gegenüber Ideen, die ausschließlich von der begrenzten Lebenszeit auf der Erde ausgehen und damit rechnen, dass danach nichts mehr kommt.

Im Oktober 1950 fand in Goslar der Gründungsparteitag unserer CDU statt. Das gedruckte Protokoll zu diesem Parteitag enthält eine Einleitung, in der beschrieben wird, wohin die Abwendung von Gott letztlich geführt hatte: 

Allzu lange hatte die verkehrte „Auffassung des Wortes Religion ist Privatsache nicht nur das Christentum aus dem öffentlichen Leben verdrängt, sondern auch den Christen den Mut genommen, sich bei der Politik auf das Christentum zu berufen. Es bedurfte erst der furchtbaren Lehre einer antichristlichen Diktatur und eines unmenschlichen Krieges, um zu erweisen, wie unentbehrlich das Christentum auch in der staatlichen Gemeinschaft ist“.

Nach diesen fürchterlichen Erfahrungen haben sich am Anfang der Bundesrepublik alle wichtigen politischen Kräfte in dem gemeinsamen Grundgesetz zu der „Verantwortung vor Gott“ und zu dem christlichen Menschenbild bekannt. Nie mehr sollte das Zusammenleben den Zwecken von Einzelnen überlassen sein, die über ihre Mitwelt im schlimmsten Fall verfügen wie über ein beliebiges Material.

Im allgemeinen Wandel hat der Konsens, in „Verantwortung vor Gott“ zu handeln, inzwischen leider an Zustimmung verloren. Politische Angebote, die von einer innerweltlichen, nicht christlichen Sicht ausgehen, sind mehrheitsfähig geworden. Extremisten können nicht verbergen, dass ihre Gesinnung sogar antichristlich ist.

Auf die politischen Planspiele, die sich bestenfalls auf eine eigene „Vernunft“ berufen, gibt die Union nicht die Antwort einer „Gegenideologie“. So hat es unser damaliger Generalsekretär Heiner Geißler immer wieder deutlich gemacht. Den Utopien, die Menschen sich erdenken, steht vielmehr die „totale Menschlichkeit des Christentums“ gegenüber. Von ihr geht unsere größte Hoffnung aus – für jedes Leben und von Anfang an:

„Denn das Christentum ist die einzige existierende Idee, die sich auf den ganzen Menschen bezieht, ohne den Menschen zu unterwerfen. Es ist die Idee seiner angeborenen Würde als von Gott geschaffene Person. Es ist die Idee des zur Freiheit geschaffenen Menschen, der seine Freiheit verantworten muss. Es ist die Idee der Einzigartigkeit der Person, die dennoch Gemeinschaft braucht und […] den Materialismus […] überwindet“ … .

Noch ganz jung sind die Berichte darüber, dass der Bundesaußenminister daran erinnert: „Nicht umsonst hängt hier das Kreuz“. Bei diesen Worten, so wird berichtet, hat Johann Wadephul auf das Kreuz im Fraktionssaal von CDU und CSU im Bund gedeutet. Selbstverständlich hängt ebenso im Fraktionssaal der CDU-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen ein Kreuz. 

Das, worauf wir vertrauen dürfen, macht das Osterereignis in einer größten Helligkeit sichtbar, im jahreszeitlich aufgehenden Licht des Frühlings.

Es gibt sehr gute Gründe, in Zeiten extrem schwieriger Entscheidungen – auch von Richtungsentscheidungen – immer wieder an Ostern zu denken. Und ebenfalls ist das Gedenken an das Leiden und an die Auferstehung einmal mehr ein Anlass, unserer Verstorbenen zu gedenken. Denn von Ostern her ist über allen Gräbern das Kreuz aufgerichtet, und seit der Auferstehung ist in der Tat – „alles anders“.

Nun wünsche ich Ihnen und allen, die zu Ihnen gehören, gesegnete Ostertage, viele glückliche Stunden – und ganz viel Freude an den neuen Farben, die jetzt in der Natur dazukommen!

Ihr Oliver Krauß